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Befahrung Grube Bendisberg

Von Karsten Plewnia

Am 5.11.2011 traf sich unsere Gruppe in der Nähe von St. Jost bei Langenfeld/ Mayen (Vordereifel), um die Grube Bendisberg zu befahren.

Die Grube ist nicht so einfach via Navigationsgerät oder Karte zu finden, aber "vor Ort" gut ausgeschildert. Eine Seilscheibe, organisiert von der Fördergemeinschaft für Bergmannstradition "Linker Niederrhein", weist den Weg über eine Hochfläche und über kleine Straßen hinab zum Besucherbergwerk.

Organisiert hatte die Tour Matthias Becker, dem hiermit auch nochmal herzlich gedankt sei. Teilnehmer waren neben drei BGVR-Mitgliedern (Matthias, Oliver und Karsten) noch befreundete Befahrer.

Geplant war eine mehrstündige Tour durch das Besucherbergwerk. Ergänzt wurde die Gruppe von zwei Bewohnern "aussem Ort", wie unser Guide Herr Michael Schomisch uns zu Anfang mitteilte. Da unsere Gruppe die Befahrerausrüstung bereits angelegt hatte, konnten wir um 11.15 Uhr in die Grube einfahren.

Das Bergwerk selbst wird auf seiner Homepage als "Ein einmaliges Erlebnis unter Tage - das 3-Stollen Besucherbergwerk" beschrieben.

Genau dieses sollte auch das Ziel unserer Befahrung sein - die drei Stollen dieser Grube. Die Verbindung dieser drei Stollen wird sicherlich einmal das Highlight dieser Besuchergrube werden, dazu aber später mehr.

Der Besucher kann normalerweise zwischen Standardführung, Abenteuerführung, Sonderführung, Erlebnisführung für Kinder sowie Bergbaufahrt wählen. Wir hatten uns im Vorfeld für die Sonderführung entschieden. Ob diese auch Abenteuer beinhaltete, ist mir im Nachhinein nicht ganz klar geworden. Es gab bei der Führung an drei Stellen Passagen, wo zwar noch weitere Strecken bzw. Teile zu befahren gewesen wären, dies war aber im Rahmen einer Führung nicht möglich.

Kurze Abriss zur Geschichte der Grube Bendisberg anhand der Informationen der Homepage und der Veröffentlichungen von Slotta.

Abgebaut wurden Blei- und Zinkerze, welche bei St. Jost und Virneburg auf ein hohes Alter zurückblicken können. Auch Silber fand man dort, aber in sehr geringen Mengen, als Bestandteil des Bleiglanzes..

Laut Informationen der Homepage baute die Grube Bendisberg

"auf mehreren Gängen der mittleren und oberen Siegener Schichten Erz ab; im Konzessionsgebiet bei den Ortschaften Virneburg und St. Jost sowie im Talbereich der Nette bzw. des Nitzbaches bestanden zuletzt mehrere Betriebspunkte. Regulärer Tiefbau ging nur im Bereich der Eisenhelder Gänge um, wo die tieferen Gangpartien durch einen Blindschacht erreicht waren."

Weiter heißt es dort:

"Ansonsten gingen Stollenbetriebe um; Gesenke waren vereinzelt vorhanden. Eine größere wirtschaftliche Bedeutung hat die Grube nie erreicht; die Erzvorräte waren relativ gering."

Diesen Eindruck machte die Grube auch auf uns. Aber das besondere dieser Grube ist, dass drei Sohlen für die Besucher miteinander verbunden sind.

Die Grube wurde zwischen 1900 und 1904 von einer holländischen Gesellschaft betrieben. Nach einem Feuer in der Aufbereitung 1903 legte man den gesamten Betrieb still. Zu diesem Zeitpunkt hatte die Grube 120 Mann Belegschaft für Untertage. 34 Mann waren in der, nun dem Flammen zum Opfer gefallenen, Aufbereitung beschäftigt. In der kurzen Betriebszeit von 16 Monaten wurden 513 t Bleierze und 875 t Zinkblende gefördert.

Ab 1915 ging die Grube in den Besitz der 'Gesellschaft des Altenbergs' über. Man ging damals davon aus, dass noch rund 30.700 m³ Grubenerze anstanden.

"Etwa 55.000 t Haufwerk von 4% Zink und 2,4% Blei ließen eine Produktion von ungefähr 1.650 t metallischen Zink und 1.050 t Blei erwarten."

Im Rahmen der Autarkiebestrebungen des Deutschen Reiches, wurde mit Genehmigung des Reichswirtschaftsministeriums der Betrieb der Grube Bendisberg am 26. April 1937 wieder aufgenommen.

"Damit begann die zweite Epoche in der Geschichte und Betriebsentwicklung der Grube Bendisberg."

Auf insgesamt vier Erzgängen baute man in dieser Grube ab, der Hauptgang, der Anna-Maria-Gang und der Diagonalgang durch die drei Eisenheldstollen (Oberer-, Mittlerer- und Unterer- bzw. Tiefer-Eisenheldstollen ) sowie der Johannagang der durch den Johannasstollen aufgeschlossen worden war.

"Über Tage wurde eine Mannschaftskaue mit Magazin und Steigerbüro in einem ehemaligen Jagdhaus errichtet; eine Grubenschmiede kam hinzu."

Weitere Bauten folgten und Stromleitungen wurden verlegt. Durch das Aufwältigen weiterer Strecken, wurden die meisten Erzvorkommen zugänglich gemacht. Eine Haspelkammer wurde für einen Blindschacht angelegt. Dieser Haspel mit 26 KW Leistung wurde elektrisch angetrieben und kam von der Grube Lüderich. Der 1938 abgeteufte Blindschacht hatte zunächst eine Teufe von 45 Meter. Ein Jahr später wurde dieser Blindschacht bis zu einer Teufe von 81 Meter abgeteuft. So lag die zweite Tiefbausohle bei 80 Meter. Der Hauptgang in dieser Teufe war aber nur auf einem kurzen Stück abbauwürdig. Im Betriebsjahr 1940 waren die Ergebnisse ernüchternd, daher fasste man Ende Oktober 1940 den Entschluss die Tiefbausohlen und den Schacht zu räumen und absaufen zu lassen. Nun konzentrierte man sich auf den Unteren Eisenheldstollen, dort war der Diagonalgang noch nicht richtig aufgeschlossen worden. Dies änderte nichts mehr an der Tatsache, dass man vorerst im Krieg die Produktion einstellte. Dies geschah am 31.12.1940 und die Belegschaft würde nach Lüderich verlegt. Ein Hinweis über den Einsatz von Zwangsarbeitern findet sich auf der Homepage nicht.

Nach dem Krieg, im Jahr 1948, beantragte die AG Altenberg die Wiederinbetriebnahme und versuchte laut Betriebsplan erst einmal den "Status Quo" festzustellen. Man begann vorwiegend mit Reparaturen und Vorbereitungen für den Abbau sowie die weitere Erkundung der Lagerstätte. Zu diesem Zeitpunkt stand die Grube noch unter der Aufsicht der Militärregierung, welche aber am 13.12.1948 eine Betriebserlaubnis erteilte. Diesmal konnten die Erze aber nicht zur Aufbereitung nach Lüderich transportiert werden, da diese einer anderen (der britischen) Zonenaufsicht unterstand. Daher gingen die Erze zur Aufbereitung nach Bad Ems. Weitere Ausrichtungsarbeiten waren schlussendlich nicht vom Erfolg gekrönt; so stellte man 1953 die Gewinnungsarbeiten am Betriebspunkt Bleiberg ein

"Ende des Jahres 1956 musste die Grube dann erkennen, dass die Lagerstätte abgebaut war; nach Abbau der noch bauwürdigen Erzmittel wurde der Grubenbetrieb am 11. Mai 1957 eingestellt. Alle Arbeiter und Bergleute konnten auf der Grube Lüderich weiterbeschäftigt werden."

Zitate (kursiv) aus: http://www.grube-bendisberg.de/index-2.html Stand 7.11.2011.

Unsere Befahrung:

Die Grube selbst wurde zu Beginn des 20 Jh. aufgefahren, frühere Spuren des Bergbaus dort stammten aus der Mitte des 19 Jh. Das Besucherbergwerk wurde allerdings erst kurz vor unserem Besuch - am 22.10.2011 - der Öffentlichkeit zugänglich gemacht.

Federführung waren das Land, die Gemeinde sowie ein Förderverein. Seit 2003 hatte man mehrere 10.000 Förderwagen mit Abraummaterial aus der Grube herausgebracht. Die praktischen Arbeiten unter Tage erfolgten mit Hilfe der Fördergemeinschaft für Bergmannstradition "Linker Niederrhein".

In unzähligen Schichten wurde hier ehrenamtlich malocht, als Besucher muss schon sehr großen Respekt vor dieser Arbeit haben. Die Helfer, der älteste über 80 Jahre, verbrachten teilweise Wochen "vor Ort" um große Fahrzeiten zum Niederrhein zu vermeiden.

Das finanzielle Gesamtvolumen betrug über 1.700.000 Euro. Diese Zahl beeindruckt sehr, aber würde man die Arbeitsstunden, die ehrenamtlich angefallen waren, ebenfalls dazu rechnen, wäre dieser Betrag wohl nur ein Tropfen auf dem heißen Stein.

Unser Guide Michael Schomisch begrüßte uns im landestypischen Dialekt vor der Bergmannshütte (siehe Homepage Besucherbergwerk), welche bewirtschaftet ist, und in Zukunft eine kleine Ausstellung zur Geschichte der Grube beheimaten wird.

Nach einer kurzen Einführung ging es die Straße hoch und wir mussten einen kleinen Hang zum oberen Stollenmundloch erklimmen. Dies war schon fast der sportlichste Teil, was den Oberen Stollen betraf. Der Bergbau ist hier in diesem Revier seht alt. Der Pingenbergbau begann im 14 Jh. In unmittelbarer Nachbarschaft gab es die Grube "Silbersand", der gesamte Bendisberg sei "wie eine Schweizer Käse durchlöchert", so die Aussage unseres Guides.

Nach einer kurzen Einführung ging es hinein in den Oberen Stollen. Dort konnten wir einige interessante Dinge erfahren und befahren.

Ein zukünftiges Highlight wird hier sicherlich sein, dass man den Oberen Stollen mittels einer Fahrte zum Mittleren Stollen hin befahren kann. Die Teufe beträgt 34 Meter. Dies war zum Zeitpunkt unseres Besuchs leider noch nicht möglich, da die Bergwacht erst noch ein Sicherungsseil befestigen muss. Leider durften wir die Fahrte nicht befahren, obwohl wir ein Seil im Auto liegen hatten - dies ist aber im Rahmen einer Besuchertour mehr als verständlich. Dafür durften wir direkt am Anfang mittels einer kleinen Fahrte in eine ca. 2 Meter unter der Strecke liegenden Kammer einfahren, was aber in unserer Runde nur ein schwacher Ersatz war.

Nachdem wir in relativ kurzer Zeit diesen Teil der Anlage befahren hatten, die Fotografen genügend mit ihren Lampen "gewedelt" hatten und sich die Gruppe obligatorisch über Gaswarngeräte und Geleucht ausgetauscht hatte, fuhren wir wieder aus, um die Verbindung zwischen den beiden Stollen über Tage zurück zu legen. Ein komisches Gefühl...

Den mittleren Stollen befuhren wir zuerst nur ganz kurz, bereits nach ein paar Metern ging es runter auf die unterste Sohle. Die Verbindung war diesmal eine Stahlwendeltreppe. Es ging über 270 Stufen (laut Guide, gezählt und überprüft hatte dies keiner von uns...) 54 Meter hinab in die Tiefe.

Dies wird sicherlich das zweite Highlight dieses Besucherbergwerks werden -wir sahen es mit gemischten Gefühlen. Denn dort wurde sicherlich einiges an Materialkosten (von Personalkosten ganz zu schweigen, wenn diese denn mal gezahlt werden mussten) investiert. Nachdem wir die untere Sohle erreicht hatten, lief keiner von uns gegen den Stoß, wie ich nach 54 Metern Wendeltreppe erwartet hätte. Vorbei an einigen Rollen und durch Seitengängen erkundigten wir auch diesen Teil des Bergwerks. Der abgesoffene Schacht mit der 80 Meter Teufe wurde uns ebenfalls gezeigt. Der Ausbau in der Grube wechselte von Beton zu Stahl bis hin zu Holz. Ein weiteres Highlight war die Haspelkammer, welche sofort von den Fotografen in Beschlag genommen wurde.

Nun mussten wir die 54 Meter wieder nach oben, was besonders für die "Raucherfraktion" eine Herausforderung darstellte (). Ein Teilnehmer war sogar so erschöpft, dass dieser nur mittels eines auf Hopfen basierenden isotonischen Getränks wieder zu Kräften kommen konnte.

Nun fuhren wir also weiter in die Grube ein, hielten uns links von der Wettertür und befuhren einige interessante Strecken.

Danach verließen wir wieder die Grube und erreichten gegen 14.15 Uhr das Tageslicht. Nach einem intensiven Austausch brachen wir gegen 15 Uhr wieder in Richtung Heimat auf.

Fazit:

Für Zielgruppen für uns war es eine normale Befahrung, welche Lust auf mehr macht. Da wir aber noch zwei Gäste dabei hatten und wir auf den Wegen der Besuchertour unterwegs waren, konnten wir nicht mehr befahren. Für den "normalen" Besucher ist diese Grube aber sehr sehenswert, weil es viel zu sehen gibt und die drei Sohlen "spektakulär" verbunden sind/werden. Es bleibt zu hoffen, dass dieses Bergwerk von vielen Besuchern befahren wird - es wäre der Mannschaft um die Grube herum zu wünschen. Denn dann könnte auch die Arbeit, die hier reingesteckt wurde, gebührend gewürdigt werden. Wir als "hinter die Kulissen-Gucker" ziehen auf jeden Fall den Hut vor der ehrenamtlichen Arbeit, die hier geleistet wurde und wünschen alles Gute für die Zukunft. Einziger Kritikpunkt wäre, dass der Guide wohl ein paar mehr allgemeine einführende Informationen für die beiden externen Gäste anbringen hätte können. Man muss aber fairerweise sagen, dass die Gruppenkonstellation dafür nicht geeignet war. So hat also der Bergwerksführer sein bestes gegeben und dafür gesorgt, dass alle Teilnehmer glücklich und zufrieden nach Hause fahren konnten, was sicherlich nicht so leicht war.

Dafür nochmals unseren Dank!

GLÜCK AUF!

Literatur:

- Webseite der Grube Bendisberg: http://www.grube-bendisberg.de

- Akten und Materialien des Bergamtes Koblenz; Bergbauarchiv beim Deutschen Bergbau-Museum Bochum; Bestand 80: AG des Altenbergs; Beschreibung rheinland-pfälzischer Bergamtsbezirke, Bd. 4: Bergamt Koblenz

- Slotta, Technische Denkmäler in der BR Deutschland, Band 4, Der Metallerzbergbau, Teil 2, Bochum 1983

Fotos:

- Matthias Becker
- Oliver Glasmacher