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Befahrung Schröderstollen

Von Matthias Becker

Am 12. Oktober 2011 trafen sich Mitglieder des BGVR mit dem Vorsitzenden der Arbeitsgemeinschaft Schroederstollen, Herrn Dipl.-Berging. Stefan Dützer am Schroederstollen im Liebenburger Ortsteil Klein Döhren bei Salzgitter. Der BGVR beschäftigt sich selbst mit der Sicherung und Aufwältigung alter Bergwerksanlagen, zum Beispiel über den Arbeitskreis Wetter des Fördervereins Bergbauhistorischer Stätten im Ruhrrevier, dessen Leiter Marco Kiessler mit anwesend war. Deshalb wollten wir uns ein Bild vom Fortschritt der Arbeiten zur Errichtung eines Besucherbergwerkes und Feldbahnmuseums machen und an den Erfahrungen der "Arge Schroederstollen" teilhaben.


Mundloch Schröderstollen


Der Schroederstollen wurde von 1922 bis 1925 auf 2,2 km Länge durch die Ilseder Hütte aufgefahren. Der Stollen sollte zum einen den Erztransportweg des Eisenerzbergwerkes Georg-Friedrich in Dörnten verkürzen und zum anderen für einen natürlichen Abfluss des Grubenwassers sorgen. Deshalb wurde er mit der -60-m-Sohle der Tiefbaugrube durchschlägig. Weiterhin wurde der gesamte südliche Salzgitter-Höhenzug durch den Stollen komplett von Norden nach Süden aufgeschlossen. Das machte ihn für Geologen interessant und er diente als Ausgangspunkt für die Erkundung weiterer Lagerstätten.


Portal Mundloch Schröderstollen

Die Grube Georg-Friedrich baute auf eine Trümmererzlagerstätte der Unterkreide mit durchschnittlich 32-34 % Eisen und hohen Kieselsäureanteil von 25 %. Wegen des "sauren" Charakters der Erze kam dem relativ frühen Bergbau in der Eisensteinkuhle ab dem Ende des 17. Jahrhunderts zunächst nur eine geringe Bedeutung zu. Mit der Übernahme durch die Ilseder Hütte im Jahr 1880 begann in Dörnten die industrielle Gewinnung der Salzgitter-Erze, da diese sich mit den kalkigen Oberkreide-Erzen aus dem Peiner Raum zu einem wirtschaftlich verhüttungsfähigen Hochofenmöller mischen ließen.

Im übrigen Salzgittergebiet setze der Bergbau auf die weiteren Unterkreide-Lagerstätten erst mit der Gründung der "Reichswerke Hermann Göring" durch das nationalsozialistische Regime zu Rüstungszwecken ein. Zu Beginn der 1960er Jahre stand das Bergwerk Georg-Friedrich von der Abbauleistung mit 18,7 Tonnen je Mann und Schicht an der Spitze des deutschen Erzbergbaus.

Auch dieses konnte nicht verhindern, dass die Grube der Konkurrenz durch wesentlich kostengünstigere Erze aus dem Ausland nicht gewachsen war. So wurde der Betrieb 1968 eingestellt.Immerhin waren große Teile der Lagerstätte vollständig abgebaut worden, 10 Millionen Tonnen verblieben im Berg.

Nach der Stilllegung wurde der Schroederstollen zur Trinkwassergewinnung genutzt. Dazu wurde 1970 bei etwa Stollenmeter 1000 ein Überlaufdamm eingezogen und das angestaute Wasser über den Förderschacht einer Tierkörperverwertung auf dem ehemaligen Zechengelände zugeführt. Die Wassergewinnung endete etwa 1980. Danach wurde der Schacht verfüllt und das Mundloch zugeschüttet.

Seit 2006 hat die Arbeitsgruppe rund um Stefan Dützer zunächst das Mundloch wieder freigelegt. Dabei wurde als wahrer Glücksfund in den Massen der Portalstein mit dem Stollennamen gefunden und konnte an seinem ursprünglichen Ort platziert werden. Ursprünglich gab es am Mundloch noch eine Gusstafel, die dem Namensgeber und Geologen Dr. Henry Schroeder gewidmet war. Diese wurde von der Ilseder Hütte nach der Schließung der Grube an das Deutsche Bergbaumuseum in Bochum übergeben.

In den folgenden Jahren konnten die ersten Stollenmeter gesichert werden. Diese dienen im Augenblick als Lokschuppen für die zahlreichen Schienenfahrzeuge des Vereins, die später im Außenbereich vorgeführt werden sollen. Hier haben auch einige Loks aus unserem Steinkohlenrevier eine neue Heimat gefunden. Die Mannschaft rund um Stefan Dützer ist deutschlandweit unterwegs, um alte Fahrzeuge aufzuspüren und für das geplante Museum sicherzustellen. Es werden zahlreiche Arbeitsstunden aufgewendet, damit aus den Exponaten buchstäblich wieder "rollendes Material" wird.

Herr Dützer zeigte uns den vordersten Teil des Stollens. Hier soll später einmal ein Besucherbergwerk entstehen. Augenblicklich ist das der einzige zugängliche Untertagebereich im Peine-Salzgitter-Revier. Große Teile des Stollens mit dem Maßen von 3,4 m Breite und 2,5 m Höhe müssen noch aufgewältigt werden.

Der Stahlausbau mit Backsteinausfachung war offenbar mehr als Schutzdach und Aufhängung für den Fahrdraht der Lokomotivförderung gedacht. Die sparsame Statik hat an einigen Stellen dem Gebirgsdruck nicht standgehalten. Einige Brüche verhindern zurzeit eine Befahrung des Stollens bis zum Lagerstättenaufschluss bei 1200 m oder gar zum Grubengebäude am Schacht Georg-Friedrich. Dennoch konnten wir uns ein Bild vom einstigen Aussehen der Anlage machen. Eine erst einige Tage zuvor durchgeführte Maßnahme in der Stollenrösche hat den Stollen trocken fallen lassen, so dass die alten Holzschwellen mit der Spurweite von 780 mm in einem Schlackenschotterbett wieder aufgetaucht sind.


Im Schröderstollen

Übertägig besichtigten wir die bereits wieder neu verlegten Gleise, die aus Gründen der Verfügbarkeit von Material in einer geänderten Spurweite von 600 mm verlegt wurden. Die überwachsene Fläche des ehemaligen Übergabebahnhofs wurde von der Arbeitsgemeinschaft Schroederstollen zum großen Teil wieder freigelegt. Dabei kamen Fundamente von Lokschuppen und Hilfsgebäuden zu Tage. Insgesamt waren wir sehr beeindruckt von der bereits geleisteten Arbeit und haben großen Respekt vor dem Engagement und dem Ehrgeiz hier die Bergbaugeschichte des Peine-Salzgitter-Reviers wieder lebendig zu machen. Wir werden den weiteren Fortgang der Arbeiten mit Spannung verfolgen und stehen in freundschaftlichen Kontakt zu Stefan Dützer und seinem Team.

An dieser Stelle möchten wir uns noch rechtherzlich dafür bedanken, dass es sich Herr Dützer nach Feierabend hat nicht nehmen lassen, uns einen sehr offenen Einblick in sein Projekt zu gewähren. Wir wünschen für die Zukunft gutes Gelingen und ein herzliches Glück auf!

Weitere Informationen zum Schroederstollen auf Wikipedia:

- http://de.wikipedia.org/wiki/Schroederstollen - http://de.wikipedia.org/wiki/Eisenerzgrube_Georg-Friedrichy

Und auf der Homepage der Arbeitsgemeinschaft:

- http://www.schroederstollen.de

Quellen:

  • Rainer Slotta, Technische Denkmäler in der Bundesrepublik Deutschland - Band 5, Teil 1: Der Eisenerzbergbau, Deutsches Bergbaumuseum , Bochum, 1986, Seiten 187-193.
  • Heinrich Korthöber et al., Bergbau in Salzgitter - Die Geschichte des Bergbaus und das Leben der Bergleute von den Anfängen bis in die Gegenwart, Archiv der Stadt Salzgitter - Beiträge zur Stadtgeschichte, Band 13, Appelhans, Salzgitter, 1997, Seiten 37-52, 297-304.
  • Manfred Watzlawik et al., Fortuna, Morgenstern, Georg-Friedrich - Geschichte und Geschichten vom Erzbergbau bei Döhren, Arbeitskreis Döhrener Bergbau, Groß-Döhren, 1983.
  • Heinz Kolbe, Die Geschichte des Eisenerz-Bergbaus in Salzgitter: Die Aufschlussgeschichte der Anlagen südlich und nördlich des Stadtgebietes Salzgitter, Salzgitter-Jahrbuch 1984, Band 3, Geschichtsverein Salzgitter e.V.1984, Salzgitter, 1984, Seiten 28-41.
Fotos:

- Sigurd Lettau